Neue Kunst bei hrdiamonds: Andrea Schüller

Im Dialog mit der Welt: Andrea Schüller stellt ihre Kunst bei hrdiamonds aus

Andrea Schüller ist Kunstschaffende, Organisationsberaterin und Coach. Geboren 1968 in Wien, arbeitet sie an der Schnittstelle von Bildender Kunst, Embodiment und Philosophie. Malerei, Zeichnung, Textil, Text und performative Arbeit mit dem Körper sind Medien ihrer künstlerischen Praxis.

Aktuell stellt Andrea ihre Kunst bei uns im Büro aus. Ihre Arbeiten bringen Farbe, Bewegung und Tiefe in unsere Räume. Sie laden dazu ein, genauer hinzusehen, nachzuspüren und mit den Bildern in einen stillen Dialog zu treten.

Wir haben Andrea gefragt, wie sie zur Kunst gekommen ist, was sie inspiriert und was sie sich wünscht, dass Besucher:innen aus der Ausstellung mitnehmen.

 

Wie bist du zur Kunst gekommen? Gab es einen bestimmten Moment, der dich geprägt hat?

Den einen Moment gibt es nicht. Seit meiner Kindheit male, zeichne, werke ich mit unterschiedlichen Materialien. Das war die Tür zum Weltverstehen und Erforschen durch sinnlich erfassen und ausprobieren: lernen der Technik, abbilden, aneignen, Freude am Produkt haben, im Werk durch die Augen der Anderen anders gesehen werden; allmählich Gewohnt-Gewordenes verfremden, Konzepte loslassen, anfangen.

In der Pubertät konnte ich dann meine Sinnfragen und Sinnlosigkeits-Phasen im Malen oder Modellieren ausdrücken, abladen, Botschaften an die Welt formulieren und platzieren.

Ich habe damals auch Seidentücher gemalt mit teils subversiven feministischen Sujets. Mein erster großer Auftrag kam von einem internationalen Billardtable Produzenten. Das amüsierte mich, ich konnte mich ausleben, war völlig frei in der Motivwahl nur das Firmenlogo sollte drauf sein.

Später hat mich fasziniert, dass und wie aus “Nichts” oder “zu Viel” “Etwas” wird”.

Da liegt immer noch der Zauber drinnen. Der schöpferische Prozess interessiert mich ständig, im Künstlerischen aber auch im Zwischenmenschlichen, in Arbeit, Leben überhaupt.

In der künstlerischen Auseinandersetzung übe ich Freiheit in der Auseinandersetzung mit Restriktion, zupacken und geschehen lassen.

Was inspiriert dich in deinem künstlerischen Schaffen besonders?

Der Prozess. Das Herausfinden im Dialog mit dem Motiv – oder dem Funken, der später vielleicht das Motiv wird, worum es hier geht. Und wie die Umgebung reinspielt, die ist ja auch immer da und funkt herein. Dieses Hin- und Her zwischen Allem und zugleich der Resonanzschnur der gespürten Relevanz zu folgen bzw. sie in dem ganzen traaraaaa innen und außen immer wieder aufrechtzuhalten, Einflüsse und Änderungen reinzurechnen und in den Ausdruck, der zwischen mir, dem Medium und der Welt entstehen will, hineinzufinden. In diese Auseinandersetzung vertiefe ich mich und sie vertieft mich. Ein Strich verändert z.B. manchmal die Situation, dann stockt es, weiß nicht, dann sieht es wieder, spürt, denkt, meine Hand, meinem Körper fällt etwas zu oder ein dazu. Das bringt dann eine Veränderung, es geht weiter.

Ich habe viele Ideen und Inspirationen, aber nicht alles wird relevant oder findet auf eine Leinwand.

Jedes mal ist es ein Aufbruch, die Relevanz am Ursprung zu erwischen und an ihr dran zu bleiben. Aus dem Vagen oder schon Bekannten die Bedeutung zu heben, zupacken, ohne zu verscheuchen, in Resonanz mit der Welt, dem Motiv, dem Medium und meinem Körper.

Welche Themen, Gefühle oder Botschaften möchtest du mit deinen Werken sichtbar machen?

Themen variieren. Ich glaube es geht immer auch um ermutigen, freuen, den Lichtblick. Auch wenn das Motiv das nicht direkt inhaltlich sagt, im Malen sucht sich das Licht seinen Weg irgendwie immer. Für mich ist die Abbildung eine verdichtete Spur des Kreationsprozesses, und diese Geschichte steckt in jedem Bild drinnen, unabhängig vom Inhalt.

Die Komplexität und Schönheit des Lebens, das Schwere, die schwierigen Fragen, das Spielerische.

Aber auch: seht mal, die endlos vielen Möglichkeiten, wie Etwas Form und Farbe findet und annehmen kann durch neue Bezüge. Lassen wir uns auf temporäre Formen ein, lernen wir, sie aus der Quelle kommen zu lassen. – Zumindest lerne ich und übe ich das.

Diese Auseinandersetzung kommt besonders in den Serien durch, die hier bei Euch hängen, was mich sehr freut. Da könnte man merken: ein Motiv in seiner Vielheit. In der Serie kann es leicht bleiben, die verdichtete Bedeutung findet Platz auf mehreren Seiten. Das gilt für die Körper, die Kuh aber auch die kulturellen Formen, wie z.B. in der Hommage an Zaha Hadid, Was ist essenziell? Was will das Motiv? Und was ist da noch … ?

Der Malprozess der Serien war zügig, manchmal tänzerisch und fokussiert und aus einer hohen Energie heraus. Der Umgang mit dem Material war geprägt von schnellen Entscheidungen.

Dieses Wechselspiel aus Dringlichkeit und Leichtigkeit spitzt sich im Körper zu, daraus entsteht ein Rhythmus, in dem der Druck zu Aus-Druck wird – und wenn sich das dann stimmig anfühlt, ist es befriedigend und führt weiter. Ein Bild ist eine temporäre Struktur, eine Form, die aus dem Prozess heraustritt bzw. herausgemalt wurde. Bei den Serien ist es so, dass die vielen Schichten von Bedeutung, die in einem Motiv drinnen sind, auf so vielen Seiten Platz finden können. Ich bin selbst erstaunt, wie unterschiedlich diese Schichten sich zeigen.

Im Office und für die Besucher:innen könnte das ein reminder dafür sein, wie viele unterschiedliche Facetten, Dimensionen in einer Situation, in einer Person, einer Kollegin, einem Team einer herausfordernden Führungssituation oder in einem business case … impliziert sind und was sich alles entfalten kann, will, neu kreieren will, wenn wir dem Aufmerksamkeit geben und zulassen, was da kommen will… also die Zukunft mitreden lassen beim Malen und beim Arbeiten und Leben.

Was noch? Dass wir neu werden können. Dass Bedeutung variiert, aber nicht beliebig ist. Und dass Menschen sich mehr einlassen können auf ihre Tiefe, weil dort findet sich immer noch mehr als wir ahnen können –  da meldet sich der Organisationsberaterinnen und Denkerinnen-Strang in mir, die Künstlerin ist da frei. Ihre Schaffensenergie ist ja schon im Bild, es wirkt wie es wirkt.

Wie entsteht ein neues Werk bei dir? Eher intuitiv, geplant oder im Dialog mit dem Material?

Egal ob mir ein Motiv zufliegt, ich ein inneres Bild schon länger umsetzen will oder sage “ ich male jetzt eine Zitrone” – letztlich muss ich spüren können, worum es geht. Es muss noch nicht klar sein, aber eine gespürte Relevanz muss da sein, und die kommt aus der Resonanz zwischen mir und der Umgebung, aus der sich das Motiv irgendwie abhebt in mir. Aus dem Gespürten folgt der Duktus und das ist dann “mein” Beitrag, wenn Du so willst. Was ich technisch im Lauf der Jahre lerne, das kommt natürlich auch dazu, das ist der Rahmen, in dem wir uns bewegen und was das Material und das Bild verlangt.

Im Prozess ändert sich natürlich immer wieder etwas. Eine andere Farbe, mir kommen neue Gedanken oder eine Bewegung bricht durch und landet auf dem Papier. Nicht weiter wissen, wieder die Verbindung suchen, antworten… das ist alles inbegriffen. Das kommt dann auf die Leinwand und wir können es anschauen und dann kann es bei anderen etwas hervorrufen

Die Kuh hat mich z.B. wie ein Blitz von außen gestreift. Ich wollte gar keine Kuh malen, aber dem Blitz war das egal. Daraus wurde dann eine ganze Serie, die Kuh trägt viele Bedeutungen in der Serie, das war ein ganzes Netzwerk, das da aufgehen wollte. Der Prozess führte dann von der konkreten Kuh zur abstrakten Kuh und so weiter…

   

Was bedeutet es für dich, deine Kunst in unseren Räumlichkeiten zu zeigen und was wünschst du dir, dass Besucher:innen mitnehmen?

Leichtigkeit, Freude, die eigene Bewegung zulassen, sich locker machen :) einen Funken … in die eigene Bewegung und Ruhe finden. Für die Menschen und für ihre Fragen, die sie mit sich und anderen herum und herein tragen, inspirierend sein. Vielleicht ihre Spielfreude anregen, mindbody shifts… Beim Aufhängen habe ich bemerkt, dass die Bilder sich wohlfühlen :) und wir uns auch. Es war schwungvoll, leicht, ein Flow.

Ich freue ich mich sehr, dass meine Bilder in Euren schönen Räumen so viel Platz finden und danke Euch für die Möglichkeit! Die Serien können hier wunderbar atmen, sich ausdehnen und in euerem Feld mitweiterweben. Da ihr die Ausstellungen wechselt und länger da sein lässt, kann sich ein Dialog entfalten.

Menschen, die vielleicht öfter hierher kommen, sehen die Bilder immer wieder und erleben auch den Wechsel in der Szene. Da könnte man merken, was ändert sich? Ist das innen oder außen? Wie kommt das eigentlich? Was ist essenziell, was bleibt, was wandelt sich, wenn ich dieses Bild immer wieder sehe? Wie erlebe ich das Ganze und wohin führt es mich? Da zeigen sich natürlich viele Querverbindungen zu Beratung und der Arbeit, die Organisationsberaterin in mir meldet sich wieder … wo es ja auch darum geht, in der inneren Welt gewahr und kundig zu werden und äußere Situationen und wie sie einwirken von innen her zu lesen, Situationsbedeutungen spürbewusst und nicht nur linear-kognitiv zu erfassen, merken, wie wir interagieren und resonieren mit anderen, der Umwelt. Das “typische” und Eingefahrene zu merken, stoppen lernen, im Serien-Sprech: nächstes Bild, bleib verbunden, bleib locker. Schau, wo und wie will es weiter. Gemeinsame Verkörperungen, die eng geworden sind, spüren, lockern, mutig handeln, loslassen.

Das Bild kommt dann in einen Rahmen und hängt an der Wand –  die Interaktion geht weiter.

Das Malen ist letztlich immer auch eine Vorwärtsbewegung.

 

Über Andrea Schüller

Andrea Schüller (*1968 in Wien) ist Kunstschaffende und Organisationsberaterin. Sie arbeitet an der Schnittstelle von Bildender Kunst, Embodiment und Philosophie. Malerei, Zeichnung, Textil, Text, Ton und performative Arbeit mit dem Körper sind Medien ihrer künstlerischen Praxis. Kunst ist für sie ein Prozess, aus dem Dialog mit der Welt auf innerlich relevant werdende Fragen zu antworten und sich vom Echo mitnehmen zu lassen; eingefaltete Bedeutung jenseits von linearem Denken zu berühren und multimedial zu entfalten.

Als Consultant und Coach begleitet sie transformative Prozesse in Organisationen und komplexen Interaktions-kontexten. Sie integriert künstlerische Interventionen für generativen Wandel, robuste Co-Kreation und Erneuerung.

Studien und Kurse u.a. an der Universität für angewandte Kunst Wien, der Newlyn School of Art, Campo dell Áltissimo, Pietrasanta, Wredowsche Zeichenschule, Atelier Diman & Kunstschule Wolkersdorf sowie autodidaktisches Studium.

Wir freuen uns sehr, dass Andreas Werke aktuell Teil unserer Räume sind. Sie bringen Bewegung, Tiefe und Leichtigkeit in unseren Arbeitsalltag und öffnen einen besonderen Resonanzraum für Gedanken, Begegnungen und neue Perspektiven.

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